Startseite
    Gedanken
    Prosa
    Lyrik
  Über...
  Archiv
  Gästebuch
  Kontakt
 

  Abonnieren
 


 
Letztes Feedback
   10.11.16 18:34
    autobinarysig101@gmx.com
   19.03.17 20:38
    {Emotic(applause)}

http://myblog.de/brimstonebutterfly

Gratis bloggen bei
myblog.de





 
Epigenom

Für Psychologie mussten wir einen wirklich sehr interessanten Text als Hausarbeit zusammenfassen. Hier ist mein doch ganz ordentliches Ergebnis, welches mit 100 % bewertet wurde <3

 

In dem Artikel “Der Über-Code”, welcher aus der Feder von Ethan Watters stammt und in einer Ausgabe des GEO Magazins im Jahr 2007 publiziert wurde, geht es um die sogenannte Epigenetik, einem Forschungsgebiet der Molekularbiologie.

Die Epigenetik ist aufgrund ihrer zahlreichen neuen Erkenntnisse allerdings auch zu einem Interessengebiet der Psychologie avanciert, da sie belegt dass unsere Gene kein feststehendes Gebilde sind, sondern kontinuierlich und zu jeder Lebenszeit durch das Einwirken äußerer Einflüsse verändert werden können.

Wie funktioniert das Epigenom?

Es beginnt alles mit der DNS. Unser Körper funktioniert nach einem bestimmten Bauplan nach dem alle Zellen in den unterschiedlichen Organen die gleiche genetische Information enthalten, allerdings für sie spezifische Befehle von Steuerungsgenen empfangen, die ihnen sagen was sie zu tun haben. Jedoch kann es passieren, dass durch Einflüsse der Umwelt  oder künstlich bedingt an die DNS Proteine angehängt werden, was es dem Enzym erleichtert die Informationen zu entschlüsseln oder es kann auch passieren, dass etwas codiert wird und den Leseprozess durch das Enzym vereitelt.

Dadurch entsteht das Stoffwechselmuster für die jeweilige Zelle, da diese sich die Abläufe “merkt”.
Man hat herausgefunden, dass die epigenetischen Marker nicht in der DNS sitzen, sondern auf ihr; entweder tauchen sie als chemische Anhängsel auf oder sind auf der Hülle der DNS verteilt. Man kann sie sich wie Schalter vorstellen, durch die DNS aktiviert oder deaktiviert werden kann. Das Epigenom (= Gesamtheit aller epigenetischen Marker) spielt bei der gesunden Entwicklung eines Organismus eine ebenso tragende Rolle wie die DNS selbst - allerdings ist es durch Umwelteinwirkung leichter veränderbar als unsere Gene. Man kann also gewisse Gene auf-  aber auch abdecken.

Bezogen auf die Psychologie sind die Entdeckungen der Epigenetik schockierend, da sie alle bisherigen Normen in Frage stellen, z. B. die vorherrschende Vorstellung der Identität.

“Die Gene sind unser Schicksal” - oder auch nicht

Bisher ging man von der Annahme aus, dass unser Verhalten und Aussehen, selbst unsere Krankheitsrisiken auf unsere Gene zurückzuführen seien. Doch die Epigenetik belehrt uns eines Besseren. Sie führt uns vor Augen, dass sich DNS auch noch postnatal und sogar im Erwachsenenstadium, also ein ganzes Leben lang, verändern lässt. Dass eine Veränderung der Buchstabenfolge der DNS in Sperma- und Eizellen durch starke Umwelteinflüsse bedingt sein kann (wie z. B.durch starke Bestrahlung) und ihre Spuren bei der nachfolgenden Generation hinterlässt, ist Biologen schon lange bekannt. Doch dass auch Kleinigkeiten wie Ernährung, Vitamine, Kontakt mit Giftstoff oder mehr mütterliche Fürsorge einschneidende Wirkung auf einen Organismus und dessen weitreichende Nachfahren haben können, ist eine neue Erkenntnis.

Randy Jirtles Agouti-Mäuse

Jirtle hat ein Experiment mit Agouti-Mäusen gemacht, die von Natur aus gelb, dick und krankheitsanfällig sind. Durch eine simple Umstellung in der Ernährung zwei Wochen vor der Paarung und während der Schwangerschaft der Nagermutter wurde der Wurf zum größten Teil mit braunem Fell geboren, war schlank und fit bis ins hohe Alter - das Agouti-Gen wurde also lediglich durch eine spezielle Diät ausgeschaltet.
Die Stoffe im Futtermittel haben also bestimmte Bereiche der DNS “versperrt” und “unleserlich” gemacht und so den Ausbruch des Agouti-Gens vereitelt ohne dabei einen Buchstaben im Erbgut zu verändern.
Auch Ignatia Van den Veyver spricht sich für eine spezielle Methylierungs-Diät aus. Stoffe, die für diese Diät aufgrund ihrer krebshemmenden Stoffe von essentieller Bedeutung sind, kann man in grünem Tee oder Sojabohnen finden

Michael Meaneys Ratten

Ein anderes Experiment, das von Michael Meaney, ist der Beleg dafür, dass die Epigenetik sogar auf das Verhalten zugreifen kann und es auch im höherem Alter noch veränderlich ist.
Er verglich liebevoll von ihren Müttern umsorgte Nager mit Tieren, die von der Mutter abgewiesen wurden. Die verhätschelten Tiere entpuppten sich später als ruhig und mutig, wohingegen die vernachlässigten Jungen sich zu ängstlichen Erwachsenen entwickelten.
Normalerweise wäre die Begründung hierzu, dass dieses Verhalten von den Müttern erlernt wurde - das Ablecken wurde in Beziehung mit Nervenbahnen für ruhiges und mutiges Verhalten gebracht. Bei der Untersuchung des Hippocampus (der Hirnregion die beim Lernen und Erinnern wichtig ist) wurden jedoch Unterschiede in dieser Region festgestellt, die sich in einer Abweichung im Methylierungsmuster der DNS äußerten. Ein entscheidendes Gen war ausgestellt, was zu einer Unterentwicklung des Hippocampus und damit einhergehend zu einem höheren Vorkommen an Stresshormonen führte.
Fazit: Das Ablecken wirkte sich also auf das Epigenom aus.

Meaneys Team gelang sogar die Umkehrung dieses Zustands, was laut Meaney die wichtige Rolle der Umweilt bei der Entwicklung eines Lebewesens verdeutlicht.

Ängstliche Jungen  Þ Verabreichung von Trichostatin  Þ wurden stressresistenter

Mutige Jungen       Þ Verabreichung von L-Methionin  Þ wurden zaghafter

Dies wäre also der Beweis für die nachträgliche und lebenslängliche Möglichkeit der Formbarkeit des Epigenoms.

Nun will das Team um Meaney dieses Verfahren auf den menschlichen Organismus übertragen, was sich allerdings als etwas komplexer gestaltet, da mehr soziale Einflüsse zum Tragen kommen.
Probanden sind hunderte menschliche Babys. Als Vergleichsgruppe fungieren Sprösslinge von als schwer depressiv eingestuften Müttern, die sich aufgrund ihrer Erkrankung nicht mit der nötigen Fürsorge ihres Nachwuchses annehmen und damit keine Verbindung aufbauen können. Man fokussiert sich hierbei auf den Einfluss den sowohl Ernährung als auch Pflege und Umwelt kurz nach der Zeit der Geburt auf den jungen Organismus nehmen. Das Ziel besteht im Herausfinden welche Anomalien im Gehirn bestehen, die auf epigenetische Differenzen zurückgehen.

Umwelt kommt zum Einsatz

Eineiige Zwillinge sind für das Gebiet der Epigenetik besonders interessant, da sie die gleichen Anlagen haben, aber sich im Laufe der Zeit immer weiter auseinanderentwickeln und zu zwei selbstständigen sich unterscheidenden Idividuuen formen.
Manel Esteller hat belegt, dass das epigenetische Muster von Geschwisterpaaren immer mehr differenzierte, je älter sie wurden und je mehr die Lebensstile sich unterschieden und je weniger Zeit die Geschwister miteinander verbrachten. Die vorherrschende These, dass wir eben so geborgen sind,  wird damit über den Haufen geworfen, denn selbst bei gleichen Genen besteht ein Unterschied in der Genaktivität und damit in den Eigenschaften - je nach persönlichem Erfahrungswert und anderen Umwelteinflüssen, die auf das Individuum wirken wird es sich entwickeln.


Epigenetik in der Pharmazie

Moshe Szyf, Pharmakologe, wurde lange von Kollegen belächelt wenn er seine These vorbrachte, dass epigenetische Marker z. B. mit Krebs in Verbindung stehen.
Es gelang ihm nachzuweisen, dass wenn Gene, die die Zellteilung kontrollieren, abgeschaltet werden, Krebs entsteht. Szyf gelang es das Enzym und damit den Krebs zu blockieren.
Umgekehrt ist dieser Prozess auch möglich. Ein DNS-Abschnitt, der normalerweise methyliert, also “abgeschaltet” ist, kann “angeschaltet” werden. Um eventuelle Enzyme anzuschalten, die der Körper von Natur aus bietet um sich zu schützen, kann mit Medikamenten nachgeholfen werden, da sich epigenetische Veränderungen - im Gegensatz zu genetischen - rückgängig machen lassen.
Zur Zeit befinden sich zahlreiche Präparate in Entwicklung, welche allerdings wegen der Komplexität des menschlichen Organismus Zeit benötigen, da sich ALLE Zellen im Körper voneinander unterscheiden.

Allerdings sieht man auch Nachteile im pharmazeutischen Sektor. Es könnte gut möglich sein, dass wir durch Medikamente schon längst unterbewusst unser Epigenom beeinflusst haben.
Z. B. enthalten Vitaminpräparate, die man Schwangeren zur Vorbeugung von Missbildungen ihrer Ungeborenen empfiehlt die gleichen Stoffe wie das Futter von Jirtles Mäusen. Darüberhinaus ist jedes Getreideprodukt der USA mit Folsäure angereichert, welche ein berühmter Lieferant von Methylgruppen ist. Dies birgt eine große Gefahrenquelle, da niemand weiß wo sich die “Lesesperren” im Erbgut von Ungeborenen festsetzen. Darum stellen sich folgende Fragen:
- Erhöhten frei käufliche Präparate das Krebsrisiko?
- Haben sie Depressionen gefördert?
- Haben sie das Aufkommen von Alzheimer oder Schizophrenie begünstigt?


Vererbung

Vor der genaueren Erforschung der Epigenetik und deren Einfluss auf die Veränderung unserer Anlagen ging man davon aus, dass laut der Evolutionstheorie eine Mutation dadurch aufkommt, dass sich das Lebewesen einen Überlebensvorteil verschaffen will um in der Welt besser zurecht zu kommen. Doch nun hat man festgestellt, dass epigenetische Marker nicht nur auf die unmittelbaren Nachkommen vererbt werden, sondern noch weiter reichende Generationen betreffen können.
Rattenmännchen, die mit einer hohen Dosis von Anti-Pilzmittel in Berührung kamen hatten weniger Spermien. Die Überraschung waren die darauffolgenden Generationen: auch Enkel produzierten nur eine geringe Menge an Spermien, obwohl keine Veränderung in der DNS vorlag. Das gleiche Phänomen trat bei deren Kindern auf.

Marcus Pembrey und Lars Olov Bugren haben Aufzeichnungen von einer Stadt Nordschwedens studiert, die bis 1890 zurückreichen und Ähnliches bei Menschen festgestellt. Männer, deren Kindheit in die Zeit des Überflusses gefallen war hatten Enkel, die zu Diabetes neigten und daher auch früher starben - jedoch betraf dies NUR die männlichen Nachkömmlinge.
Auf Seiten der Frauen waren die Enkelinnen betroffen deren Großmütter väterlicherseits einen üppigen Lebensstil führen konnten.
Die Vererbung hängt also
a) vom Timing ab in dem die erste Generation im Überfluss lebte und
b) ist geschlechtsspezifischer Natur.
So nimmt Pembrey an, dass sich die epigenetischen Spuren auf den X- und Y-Chromosomen ansiedeln.

Folgen der Epigenetik für die Sozialpolitik (lt. Meaney)

Durch Umweltfaktoren wie Armut, Leben in zerrütteten Verhältnissen oder Dauerstreit wird die junge Eltern-Kind-Bindung gestört und somit die kognitive/wahrnehmende Entwicklung der Kinder beeinträchtigt. Nun stellt sich die Frage inwiefern sich diese Störung auch noch auf die nachfolgenden Generationen dieser Kinder ausdehnen wird. Lawrence Harper ist der Meinung, dass unser epigenetisches Erbe Persönlichkeitsmerkmale beeinflusst (z. B. Temperament oder Intelligenz) und sieht dies  eng mit dem Epigenom verwoben. Er nimmt an, dass daher die Folgen durch Krieg, Hungersnot, etc. womöglich noch einige Generationen über in unseren Genen verankert bleiben werden.


Epigenetik sollte also ein neues Verantwortungsbewusstsein in uns wecken, denn was wir heute essen, trinken oder rauchen wird unsere Nachkommen generationenübergreifend genauso prägen wie die Erlebnisse und Erfahrungen, die wir machen.
Auch bei der Einnahme von Medikamenten sollten wir mit Bedacht vorgehen um unser Erbgut nicht zu schädigen und bei unseren Kindern und Kindeskindern z. B. das Krebsrisiko nicht zu steigern.

Denn unsere Gene sind nicht nur vererbt, sondern zu einem großen Teil auch lebenslänglich durch Umwelteinflüsse veränderbar - seien es simple Einwirkungen wie Ernährung oder gravierendere wie persönliche Erfahrungen. Wir haben nun die Möglichkeit darauf einzuwirken und sind nicht mehr machtloser Sklave der Erbanlagen, die uns von unseren Vorfahren vermacht wurden.

Wo unsere Entwicklung hinführt liegt auch ein Stück in der Wahl der Umgebung in der wir uns bewegen und auch hier können wir selbst lenken wo wir stehen möchten.

15.10.10 12:56
 


bisher 3 Kommentar(e)     TrackBack-URL


brains death / Website (10.5.11 13:16)
Woow... Epigenetik hab ich grad erstmal bei Wikipedia nachgeschaut, um das Umfassend zu verstehen. Naja, soweit es mir möglich ist hehe^^
Jedenfalls WAHNSINNIG interessant!!
Werd ich mir merken und mich vllt sogar ein wenig damit beschäftigen. Danke für's Online stellen - ohne myblog und deine Hausarbeit hier, wäre ich niemals (vermutlich) auf so eine interessante Info bzw Infos gestoßen. Einfach genial.

Beste Grüße
brains death


(10.5.11 13:22)
Danke, danke für das liebe Feedback!

Eben deshalb habe ich es online gestellt, weil ich vorher auch nichts davon wusste und ich es als guten Ausgangspunkt sehe unseren Kindern ein Stück Lebensqualität zu sichern! ;D


brains death / Website (10.5.11 14:07)
Wer ahnt sowas auch?^^
Ich werds auf jeden Fall überall verbreiten und Jeden damit nerven. Und hier abunzu vorbeischauen, ob noch mehr interessante Themen auf deinem Blögchen auftauchen(=

Und Feedback immer wieder gern! Soviel blogs gibts ja nicht, wo man mal was Sinnvolles zu schreiben kann. Leider.

Name:
Email:
Website:
E-Mail bei weiteren Kommentaren
Informationen speichern (Cookie)



 Smileys einfügen



Verantwortlich für die Inhalte ist der Autor. Dein kostenloses Blog bei myblog.de! Datenschutzerklärung
Werbung